Die letzten Tomaten

Kochen kann kaum einfacher sein. So reichen mir oft ein paar Nudeln, ein wenig Basilikum, Knoblauch, Olivenöl und ein paar grob geschnittene Tomaten für große Gaumenfreuden bei mir. Und noch mehr, wenn es so ziemlich die letzten Tomaten der Saison vom Balkon sind. Da ist nicht nur der Bauch mit, sondern auch das Herz. Und das blutet schon, wenn ich an die Zeit im Winter und Frühjahr denke, in denen ich Tomaten … ich traue mich kaum, es zu schreiben … kaufen muss. Und lasse es mir um so mehr schmecken.

Das halte ich übrigens für einen der wichtigen Ergebnisse beim Urban Gardening. Nicht nur das geernete Gemüse und die Kräuter. Sonder auch die emotionale Bindung ans Essen, wenn man es die ganze Zeit heranwachsen sah und es — manchmal mühevoll — gehegt und geplegt hat. (Ja, jetzt wo ich es lese, könnte ich auch über Kinder geschrieben haben.)

Mal wieder Basilikum-Erntezeit

Der Basilikum auf dem Balkon freut sich über die viele Sonne im Moment. Zumindest solange er genug Wasser bekommt. Und das bekam er wohl, denn schon zum zweiten Mal in dieser Saison musste der große Busch ordentlich gestutzt werden.

Gezupfte Basilikumblätter, 160 Gramm.

160 Gramm Basilikumblätter brachte die Ernte ein. Und die wurden mit gerösteten Pinien- und Sonnenblumenkernen, Olivenöl, Knoblauch, Parmesankäse, Pfeffer, Salz und einem Spritzer Zitronensaft zu einem Pesto püriert. Und das kam mit ein paar Tomatenstückchen gleich auf den Teller mit Spaghetti. Ein einfaches und schnelles Essen, das bei mir irgendwie immer geht.

Spaghetti mit Tomaten und Pesto. Der Grünstich des Fotos kommt vom Sonnenschirm darüber.

Doch das war nicht das Ende des Pestos. Aus 160 Gramm bekommt man einen Menge Pesto heraus. Ein Teil kam in ein Glas, wurde mit Öl bedeckt, kam in den Kühlschrank und wird die nächsten Tage gegessen werden. Und ein Teil wurde in eine Eiswürfelform abgefüllt und wird im Herbst und Winter gegessen — Sommer für den Gaumen in der kalten Jahreszeit.

Linsensuppe und Mehlspatzen an Karfreitag

Ich gebe zu, ich bin kulinarisch schon ein wenig von meinem Elternhaus geprägt. Und da gab es früher an Karfreitag fast immer Linsensuppe mit Mehlspatzen. Und ich muss zugeben — ich mochte sie nicht sonderlich. Inzwischen liebe ich sie aber.

Im Grunde ist die Linsensuppe ebenso leicht zuzubreiten wie die Mehlspatzen.

Für die Suppe:
200 Gramm Tellerlinsen
eine Karotte
eine Kartoffel
eine kleine Zwiebel
400 ml Gemüsebrühe
evtl. etwas getrockneter Majoran

Für die Mehlspatzen:
150 Gramm Weizenmehl
100 ml Milch
ein Ei

Zum Servieren:
Weinessig, Balsamicoessig oder eine Zitrone.

Das Gemüse kleinschnippeln und kurz im Topf anschwitzen. Dann die Gemüsebrühe reingießen, aufkochen lassen und die Linsen dazugeben. Alles etwa 25 Minuten kochen lassen, plusminus ein paar Minuten, je nachdem wie knackig man die Linsen haben will. Die Linsen dann am besten etwas im Topf zerstampen, dann wird die Suppe sämiger. Am Ende die Suppe mit Salz, Pfeffer und eventuell mit etwas Majoran würzen.

Die Linsensuppe …

Für die Spatzen Mehl, Milch und Ei verrühren, bis man eine zähe Pampe hat. Mit einem Esslöffel (oder zwei) gibt man kleine Portionen des Teigs in einen Topf mit kochendem Salzwasser. Da lässt man sie kochen, bis sie anfangen ob auf dem Wasser zu treiben, was etwa 10 Minuten dauert.

… und die Mehlspatzen.

Zum Servieren kommen Linsensuppe und Mehlspatzen in eine Schüssel. Mit etwas Säure schmeckt die Suppe noch besser, darum kann man ganz nach eigenem Geschmack einen Spritzer Wein- oder Balsamico oder Zitronensaft mit dazu geben.

Das schmeckt nicht nur an Karfreitag. Da aber auch.

Linsensuppe mit Mehlspatzen.
Linsensuppe mit Mehlspatzen.

Linsen mit Gemüsedunst

Heute gab es Linsen, wenn auch unter leichtem Murren der Mitesserin.

Um das Körbchen mit den Hülsenfrüchten in der Küche etwas zu leeren, habe ich das Päckchen mit den Berglinsen und das mit den Belugalinsen in eine Topf mit Wasser geleert und auf kleiner Hitze noch leicht knackig gekocht.

Linsen mit gedünstetem Gemüse und Paprika-Joghurt-Dip.

Knackig hab ich auch das Gemüse dazu in der Pfanne angedünstet. Karotte, kleine Paprika, Sellerie, Fenchel und den dünn geschnittenen frischen Knoblauch kamen rein, dazu etwas Olivenöl, Salz und eine Chili. Gegen Ende kam noch frischer (OK, aus dem Gefrierfach) Koriander mit in die Pfanne.

Damit das Ganze nicht zu trocken wird, gab es dazu einen Dip aus griechischem Joghurt, Salz, Olivenöl, Chilisalz und Smoked Paprika.

Linsen mit gedünstetem Gemüse und Paprika-Joghurt-Dip.

Lecker. 😋

Mock Duck – der Tag der veganen Ente

Es begann ganz harmlos neulich im Fediverse. B.ella beging ihr Zehnjähriges als Vegetarierin. Dabei fielen für mich Jungvegetarier — im Gespräch auch mit Anya — ein paar Rezepte und Anregungen ab. So zum Beispiel diese ominöse Mock Duck.

Mock Duck. Falsche Ente. Ein Name wie aus einem lustigen Taschenbuch. Und ein Begriff, der mehr Fragen aufwirft, als er erklärt. Es ist etwas, was so tun will, als wäre es Entenfleisch. Mittlerweile weiß ich, das „Fleisch“ ist Weizengluten, also Pflanzeneiweiß.

Nur mit diesem Namen im Kopf ging ich neulich in den Asia-Markt. Da stöbere ich ohnehin gerne. Aber wo Mock Duck suchen? Wie sieht das aus? Ich hatte irgendwie tiefgefrorene Pseudo-Entenfleischstreifen im Kopf. Aber das Kühlfach war frei von Mock Duck. Getrocknet und abgepackt? Fehlanzeige. Dann fand ich die falsche Ente dort, wo ich sie am wenigsten vermutet hätte — abgefüllt in Dosen stand sie im Regal.

So kitschig, dass es fast wieder schön ist: Mock Duck in der Dose.

Kaufen kann man viel, nur machen muss man es irgendwann. Heute war für mich der Tag der veganen Ente. Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Wie wird der Inhalt der Dose aussehen, wie riechen und vor allem — wie wird er schmecken?

Dosenöffner angesetzt und das Blechding aufgemacht. Und da schwamm etwas mäßig appetitliches in einer bräunlichen Soße, was vom Aussehen her wirklich mal eine gebratene Ente gewesen sein könnte. Mit einem Sieb hab ich Fest Duck von Flüssig Duck getrennt. Schon saß es deutlich besser aus. Flüssig habe ich in der Schüssel für später aufgehoben.

Abgetropfte Mock Duck

Ich habe keine Ahnung, durch welche schwarzmagische Transformation aus glibberigem Pflanzeneiweiß etwas wird, das nach Fleischfasern und gerupfter Entenhaut nebst Poren aussieht. Und ich bin nicht sicher, ob ich es wirklich wissen will. Aber es roch recht angenehm, also ging ich das Gericht weiter mutig an.

Gemüse zur Entspannung

Mit einem dagegen schon eher langweiligen Teil. Bis dahin war das Mock-Duck-Gericht reicht einfach, und ebenso einfach ging es weiter. In einer Pfanne habe ich mit etwas Sesamöl eine rote Paprika, eine Karotte, eine grob gehackte Zwiebel, eine Knoblauchzehen und ein klein wenig Fenchel angebraten. So dass es noch etwas knackig ist.

Angebratenes Gemüse.

Das Gemüse habe ich dann aus der Pfanne auf einen Teller gegeben, das brauche ich erst später wieder. Denn jetzt kam der weitere spannende Teil für mich — die Mock Duck wird gebraten.

Mock Duck in die Pfanne …

Gleiche Pfanne, gleiches Öl — und die Stücke des animalisch wirkenden Getreideproteins hinein. Die Mock-Duck-Teile ließen sich wirklich wie Fleisch anbraten, sie zerfielen nicht und klebten nicht doof an der Pfanne herum. Sie sahen eigentlich ganz lecker aus, wie sie so vor sich hin brutzelten und immer brauner wurden.

Mock-Duck-Stücke werden in der Pfanne angebraten.

Ach ja, auf dem Nebenschauplatz tat sich auch noch was. Als ich das Gemüse zum Anbraten in die Pfanne gegeben habe — ihr erinnert euch? –, habe ich auch begonnen Basmati-Reis zu kochen. Nach der für mich bewährten Mengenangabe „eine Tasse Reis, zwei Tassen Wasser“.

Zurück zur Pfanne. Dort habe ich die Glutenente mit etwas Teriyaki- und Soja-Sauce abgelöscht, die durch den Sieb abgetropfte Mock-Duck-Flüssigkeit mit dazu gegeben und mit nur ein wenig Kartoffelstärke und Wasser die gewünschte Konsistenz hingezimmert. Das Gemüse habe ich dann reingerührt, alles mit Salz — vorsichtig, durch die Sojasoße ist es schon leicht gesalzen — und Chili gewürzt und kurz ziehen lassen. Inzwischen war der Reis dann auch fertig.

… und auf den Tisch

Nun war es soweit. Mock Duck a la Kochdepp wurde auf meinem Küchentisch serviert.

Zum ersten Mal vegetarisches Mock Duck mit Gemüse und Basmati-Reis gekocht.

Eines schon mal vorweg: Nein, es schmeckt nicht nach Ente. Vor einem guten halben Jahr aß ich noch Fleisch und erinnere mich noch daran, wie Ente schmeckt. Nicht so. Aber im Gesamtpaket gibt es Ähnlichkeiten, Mock Duck schmeckt in etwa wie manche Gerichte mit Ente, die es in asiatischen Restaurant zu essen gibt.

Es schmeckt einfach gut. Zu dem ohnehin schon leckeren Soja- und Teriyakisoßen-Aroma mit dem angebratenen Gemüse kamen passend die Röstaromen des Pflanzeneiweißes dazu. Und der leichte Biss, die Struktur und Textur der Mock Duck machten einfach Freude im Mund. Vergessen war das etwas ekelige Geglibber in der Dose.

Was für ein vegetarisches, sogar veganes Abenteuer! Noch mit Luft nach oben, mit der falschen Ente muss ich noch weiter experimentieren.
Danke an B.ella und Anya für den Mock-Duck-Tipp und danke an alle, die mir Mut gemacht haben, das auch zu kochen. 🙂

Die Zutaten für die Mock Duck a la Kochdepp

  • eine Dose Mock Duck
  • eine Tasse Basmati-Reis
  • eine rote Paprika
  • eine große Karotte
  • eine Zwiebel
  • eine Knoblauchzehe
  • ein Schnipsel Fenchel
  • ein wenig Sesamöl
  • ein wenig Sojasoße
  • ein wenig Teriyaki-Soße
  • ein wenig Kartoffelstärke
  • Chilipulver
  • Salz