Es begann ganz harmlos neulich im Fediverse. B.ella beging ihr Zehnjähriges als Vegetarierin. Dabei fielen für mich Jungvegetarier — im Gespräch auch mit Anya — ein paar Rezepte und Anregungen ab. So zum Beispiel diese ominöse Mock Duck.

Mock Duck. Falsche Ente. Ein Name wie aus einem lustigen Taschenbuch. Und ein Begriff, der mehr Fragen aufwirft, als er erklärt. Es ist etwas, was so tun will, als wäre es Entenfleisch. Mittlerweile weiß ich, das „Fleisch“ ist Weizengluten, also Pflanzeneiweiß.

Nur mit diesem Namen im Kopf ging ich neulich in den Asia-Markt. Da stöbere ich ohnehin gerne. Aber wo Mock Duck suchen? Wie sieht das aus? Ich hatte irgendwie tiefgefrorene Pseudo-Entenfleischstreifen im Kopf. Aber das Kühlfach war frei von Mock Duck. Getrocknet und abgepackt? Fehlanzeige. Dann fand ich die falsche Ente dort, wo ich sie am wenigsten vermutet hätte — abgefüllt in Dosen stand sie im Regal.

So kitschig, dass es fast wieder schön ist: Mock Duck in der Dose.

Kaufen kann man viel, nur machen muss man es irgendwann. Heute war für mich der Tag der veganen Ente. Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Wie wird der Inhalt der Dose aussehen, wie riechen und vor allem — wie wird er schmecken?

Dosenöffner angesetzt und das Blechding aufgemacht. Und da schwamm etwas mäßig appetitliches in einer bräunlichen Soße, was vom Aussehen her wirklich mal eine gebratene Ente gewesen sein könnte. Mit einem Sieb hab ich Fest Duck von Flüssig Duck getrennt. Schon saß es deutlich besser aus. Flüssig habe ich in der Schüssel für später aufgehoben.

Abgetropfte Mock Duck

Ich habe keine Ahnung, durch welche schwarzmagische Transformation aus glibberigem Pflanzeneiweiß etwas wird, das nach Fleischfasern und gerupfter Entenhaut nebst Poren aussieht. Und ich bin nicht sicher, ob ich es wirklich wissen will. Aber es roch recht angenehm, also ging ich das Gericht weiter mutig an.

Gemüse zur Entspannung

Mit einem dagegen schon eher langweiligen Teil. Bis dahin war das Mock-Duck-Gericht reicht einfach, und ebenso einfach ging es weiter. In einer Pfanne habe ich mit etwas Sesamöl eine rote Paprika, eine Karotte, eine grob gehackte Zwiebel, eine Knoblauchzehen und ein klein wenig Fenchel angebraten. So dass es noch etwas knackig ist.

Angebratenes Gemüse.

Das Gemüse habe ich dann aus der Pfanne auf einen Teller gegeben, das brauche ich erst später wieder. Denn jetzt kam der weitere spannende Teil für mich — die Mock Duck wird gebraten.

Mock Duck in die Pfanne …

Gleiche Pfanne, gleiches Öl — und die Stücke des animalisch wirkenden Getreideproteins hinein. Die Mock-Duck-Teile ließen sich wirklich wie Fleisch anbraten, sie zerfielen nicht und klebten nicht doof an der Pfanne herum. Sie sahen eigentlich ganz lecker aus, wie sie so vor sich hin brutzelten und immer brauner wurden.

Mock-Duck-Stücke werden in der Pfanne angebraten.

Ach ja, auf dem Nebenschauplatz tat sich auch noch was. Als ich das Gemüse zum Anbraten in die Pfanne gegeben habe — ihr erinnert euch? –, habe ich auch begonnen Basmati-Reis zu kochen. Nach der für mich bewährten Mengenangabe „eine Tasse Reis, zwei Tassen Wasser“.

Zurück zur Pfanne. Dort habe ich die Glutenente mit etwas Teriyaki- und Soja-Sauce abgelöscht, die durch den Sieb abgetropfte Mock-Duck-Flüssigkeit mit dazu gegeben und mit nur ein wenig Kartoffelstärke und Wasser die gewünschte Konsistenz hingezimmert. Das Gemüse habe ich dann reingerührt, alles mit Salz — vorsichtig, durch die Sojasoße ist es schon leicht gesalzen — und Chili gewürzt und kurz ziehen lassen. Inzwischen war der Reis dann auch fertig.

… und auf den Tisch

Nun war es soweit. Mock Duck a la Kochdepp wurde auf meinem Küchentisch serviert.

Zum ersten Mal vegetarisches Mock Duck mit Gemüse und Basmati-Reis gekocht.

Eines schon mal vorweg: Nein, es schmeckt nicht nach Ente. Vor einem guten halben Jahr aß ich noch Fleisch und erinnere mich noch daran, wie Ente schmeckt. Nicht so. Aber im Gesamtpaket gibt es Ähnlichkeiten, Mock Duck schmeckt in etwa wie manche Gerichte mit Ente, die es in asiatischen Restaurant zu essen gibt.

Es schmeckt einfach gut. Zu dem ohnehin schon leckeren Soja- und Teriyakisoßen-Aroma mit dem angebratenen Gemüse kamen passend die Röstaromen des Pflanzeneiweißes dazu. Und der leichte Biss, die Struktur und Textur der Mock Duck machten einfach Freude im Mund. Vergessen war das etwas ekelige Geglibber in der Dose.

Was für ein vegetarisches, sogar veganes Abenteuer! Noch mit Luft nach oben, mit der falschen Ente muss ich noch weiter experimentieren.
Danke an B.ella und Anya für den Mock-Duck-Tipp und danke an alle, die mir Mut gemacht haben, das auch zu kochen. 🙂

Die Zutaten für die Mock Duck a la Kochdepp

  • eine Dose Mock Duck
  • eine Tasse Basmati-Reis
  • eine rote Paprika
  • eine große Karotte
  • eine Zwiebel
  • eine Knoblauchzehe
  • ein Schnipsel Fenchel
  • ein wenig Sesamöl
  • ein wenig Sojasoße
  • ein wenig Teriyaki-Soße
  • ein wenig Kartoffelstärke
  • Chilipulver
  • Salz

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