Treberbrot, jetzt fast mal richtig

Nach langer Zeit habe ich mal wieder ein Treberbrot gebacken. Mein Kollege und Treber-Dealer hat wieder Bier gebraut und darum große Mengen der Malz-Pampe übrig. Ich bat ihn, mir diesmal eine kleinere Menge als beim letzten Mal zu geben. Hat toll geklappt, statt vier Kilo bekam ich acht.

Seit dem letzten Treberbrot ist viel passiert, was meine Brotbackkünste angeht — ich hatte meine Grundausbildung bei Werner. Und das merkt man dem Brot — jedem Brot, das ich backe — schon an.

Aber trotzdem war das heutige Treberbrot wieder hochexperimentell, da ich völlig unvorbereitet losgelegt und nicht bemerkt habe, dass es nur noch diverse Mehlreste im Haus gab. Darum gab es ein etwas eigenwilliges Brotrezept:

  • 700 Gramm Sauerteig
  • Einen halben Hefewürfel
  • etwa 200 Gramm Roggenmehl
  • etwa 180 Gramm Dinkelvollkornmehl
  • 50 Gramm Weizenvollkornmehl
  • 250 Gramm Weizenmehl
  • 30 Gramm Salz
  • Eine Prise Kreuzkümmel
  • 350 Milliliter Wasser
  • 200 Gramm Treber

Trotz des Rezeptchaos ist das Brot gut gelungen und schmeckt. Mal schauen, was ich mit dem restlichen 7,8 Kilo Treber mache … 😉DSC04195 DSC04209

Treberbrot – ohne Bier

Treber ist ein Abfallprodukt beim Bierbrauen — aber man kann es auch prima zum Brotbacken nehmen. Und für ein Treberbrot braucht man kein Bier.

Vor drei Wochen

Kollege: Brauchst du Treber?

Ich: Hä? (fränkisches Interrogativpronom)

Kollege: Ich braue hobbymäßig ein bisschen Bier. Da bleiben die Rückstände der Malzmaische übrig, das brauche ich nicht mehr. Aber man kann es noch zum Brotbacken nehmen. Du backst doch hin und wieder Brot?

Ich: Ja. Aber ich mag kein Bier.

Kollege: Das schmeckt nicht nach Bier, das ist nur Malzbrei.

Ich: Das schmeckt also nicht nach Bier?

Kollege: Nein.

Ich: Na gut, ich nehme ein bisschen von dem … ähhh … Ding … Zeug .. ähhh …

Kollege: Treber.

Ich: Genau.

Malzpampe, auch Treber genannt
Malzpampe, auch Treber genannt

Zwei Wochen später …

Das bisschen Treber stellte sich als eine Vier-Kilo-Tüte voll des Malzbreis heraus. Also ran ans Brotbacken. Eine Rezeptrecherche im Netz half mir nur bedingt — alle Rezepte für Treberbrot waren mit Bier als Zutat — nix für mich. (Jaja, man schmeckt das Bier dann gar nicht als Bier … aber ich weiß, dass es drin ist)

Also habe ich mir einen eigenen Mittelweg aus den diversen Rezepten zusammengebastelt.

Zutaten für Treberbrot. Wasser, Trockenhefe und Kümmel sind nicht auf dem Bild.
Zutaten für Treberbrot. Wasser, Trockenhefe und Kümmel sind nicht auf dem Bild.

Man nehme Ich nahm:

  • 500 Gramm Treber
  • 1000 Gramm Vollkornmehl
  • Eineinhalb Päckchen Trockenhefe
  • 250 Milliliter Wasser
  • 150 Milliliter Weißwein
  • 150 Gramm Haselnüsse
  • Ein Hand voll Kümmel
  • Drei Teelöffel Salz
  • Viel Glück
Die Muskeln spielen lassen - den Teig mit der Hand kneten.
Die Muskeln spielen lassen – den Teig mit der Hand kneten.

Alle Zutaten in eine große Schüssel geben und darauf achten, dass dann noch Platz in der Schüssel ist — der Teig wird noch größer werden. Alles miteinander vermischen und verkneten. Ich habe das bei diesem Brot mit der Hand gemacht — was, wie ich hinterher gemerkt habe, eine Sauarbeit ist.

Das Kniffelige beim Treberbrot ist die Menge der Flüssigkeit. Im Grunde kommt es darauf an, wie trocken oder feucht der Treber ist. Da muss man einfach mit Gefühl den Teig kneten und immer mal ein wenig Wasser (und in meinem Fall Wein) nachkippen, bis man einen festen, aber nicht trockenen Brotteig hat. Die 400 Milliliter sind also die Menge nur für meinen Treber an diesem Tag — das kann bei anderen Trebern abweichen.

Ok, mangels jahrzehntelanger Brotbackerfahrung habe ich geraten, wieviel Wasser reinkommt. 😉

Dann habe ich den Teig mal zweieinhalb Stunden mit einem Geschirrtuch abgedeckt und an einem waren Ort gestellt.  Während dieser Zeit passierte das Hefewunder — das Volumen des Teigs hat sich verdoppelt! Zauberei! 😀

Treberteig nach dem Gehen
Treberteig nach dem Gehen
Treberteig vor dem Gehen
Treberteig vor dem Gehen

Den Ofen hab ich auf gut 200 Grad vorgeheizt, das Brot in eine eingefettete Kastenform und eine eingefettete Glasauflaufform gegeben, oben noch die Sollbruchstelle für den Teig mit einem Messer eingeritzt und ab mit den Broten eine Stunde lang in den Ofen.

Dann den Ofen aufgemacht und … aaaaaaaaaaaah … Brot! 🙂

Das fertig gebackene Treberbrot
Das fertig gebackene Treberbrot

Das Treberbrot hat mir ganz gut geschmeckt, leicht malzig im Abgang, aber wirklich ohne jeglichen Hauch von Biergeschmack. Glücklicherweise.

Ein Blick ins Innere des Treberbrots
Ein Blick ins Innere des Treberbrots

Die Kruste war … krustig, das Innere ganz leicht bröselig, was sich aber mit jedem Tag Lagerung  gebessert hat — warum auch immer. Und es war extrem nahrhaft! 🙂

Das größere Rätsel und Unglück war, dass beim Brot in der Auflaufform aus Glas der Boden an der Form angebacken war — so richtig angebacken, dass ich amputieren musste. Und ich bin mir sicher, dass ich die Auflaufform reichlich mit Butter eingefettet habe. Warum hat sich der Teig dermaßen angepappt?

Verluste an der Brotfront
Verluste an der Brotfront

Aber egal — ich konnte eine Woche an dem Brot essen und es hat geschmeckt.

Treberbrot mit Butter
Treberbrot mit Butter